Because we care: THD-Wissenschaftlerinnen stellen erste Erkenntnisse aus Forschungsprojekt auf Pflege- und Gesundheitskongress in Augsburg vor
19.5.2026 | THD-Pressestelle
Wie die Gesundheitsversorgung – insbesondere im ländlichen Raum – für die Zukunft in Zeiten von Praxensterben und chronischen Volkskrankheiten aufgestellt werden soll, skizzierte Dr. Christine Aumer von der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) in ihrem Vortrag „Community Health Nursing & Advanced Practice Nursing: Powerduo für die Gesundheitsversorgung" Anfang Mai beim Pflege- und Gesundheitskongress „because we care“ in Augsburg. Dabei machte sie die Notwendigkeit der Einführung von Community Health Nursing (CHN) und Advanced Practice Nursing (APN) in Deutschland sowie deren symbiotische Zusammenarbeit deutlich, um die zukünftigen demographischen und epidemiologischen Herausforderungen bewältigen zu können.
Im internationalen Umfeld, vor allem im skandinavischen und angelsächsischen Raum, sind Community Health Nurses bereits seit vielen Jahrzehnten als eigenständige Berufsgruppe fest in die Gesundheitsversorgung integriert. Sie ermöglichen außerhalb von Kliniken und Pflegeeinrichtungen eine effiziente medizinisch-pflegerische Versorgung, indem sie neben Koordination und Kommunikation auch direkte Versorgungsleistungen am Menschen übernehmen – etwa die Wundversorgung, Kontrolluntersuchungen oder die Beratung für bestimmte Krankheitsbilder. Advanced Practice Nurses (APN) dagegen sind als hochspezialisierte Pflegefachkräfte im klinischen Setting tätig und versorgen Patientinnen und Patienten stationär.
Pilotprojekt für neue medizinisch-pflegerische Versorgung nach internationalem Vorbild
Die Forschungsgruppe rund um Dr. Christine Aumer von der THD-Fakultät Angewandte Gesundheitswissenschaften erarbeitete ein Modell, wie CHN in Deutschland eingesetzt werden können und welche Schnittstellen für eine eng verzahnte Zusammenarbeit mit bestehenden Versorgungsinstanzen zum Tragen kommen. Im Rahmen eines gemeinsamen Pilotprojekts mit der Schwesternschaft München vom Bayerischen Roten Kreuz e.V. und einer örtlichen Hausarztpraxis sind nun in Lindenberg im Allgäu seit Mai 2025 zwei Community Health Nurses tätig. Ziel ist der Aufbau einer koordinierten, wohnortnahen und multiprofessionellen Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung in der Region.
Die Zwischenergebnisse der noch laufenden Evaluationsstudie zeigen, dass die derzeitigen Hindernisse überwiegend in der gesetzlichen Verankerung angesiedelt sind. Weder besteht ein festes und einheitliches Rollenverständnis für das Berufsbild CHN noch ist die Haftungsfrage bei der Ausführung erweiterter Pflegetätigkeiten gänzlich geklärt. Außerdem brauche es dringend politische und gesetzliche Anerkennung, die eine Regelfinanzierung ermöglicht – ohne das Budget an anderen Stellen in der Pflege zu kürzen. Genauso brauche es aber auch die Innovationsbereitschaft der Praxis, appelliert Dr. Christine Aumer an die Besucherinnen und Besucher des Kongresses.
Erfahrungsaustausch, Diskussionen und Ideen
Bei dem Pflege- und Gesundheitskongress in Augsburg tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Versorgungsdisziplinen aus. In der Praxis Tätige, Auszubildende und Studierende, Lehrende und Forschende diskutierten unter anderem darüber, wie lange es noch dauere, bis CHN und APN in die Regelfinanzierung aufgenommen werden. Ebenso wurde thematisiert, wo CHN angesiedelt sein soll und wie sie tätig sein darf. Im Falle einer Angliederung an einen Pflegestützpunkt darf sie dort nach derzeit geltendem Recht nur sprechen und beraten. Damit sie aber in der Therapie aktiv beteiligt sein kann, braucht es aktuell noch Delegation und damit die Angliederung an ärztliche Praxen. Das entspricht nicht dem angestrebten Idealbild von eigenständiger und -verantwortlicher Pflegeversorgung durch CHN – wenngleich natürlich auch in Zukunft die enge Kooperation mit Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern sinnvoll ist.
Neben dem Forschungsprojekt „Community Health Nursing (CHN) in Lindenberg im Allgäu“ wurde bei dem Kongress auch das Engagement der THD für die Akademisierung und Internationalisierung in den Gesundheitsfachberufen sichtbar. So wurde etwa der Studiengang Nursing (B.Sc.) vorgestellt, der sich konkret an internationale Studieninteressierte richtet, die in Deutschland ein Pflegestudium absolvieren und in integrierten Kursen Deutsch lernen wollen, um anschließend in der Region beruflich Fuß zu fassen.
Bild (THD): Dr. Christine Aumer präsentierte Powerduo für verbesserte Gesundheitsversorgung: Community Health Nursing und Advanced Practice Nursing.